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Lexikon der Unterstützten Kommunikation

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  A

  AAC
ist die Abkürzung für „Augmentative and Alternative Communication". Für diese englischsprachige Bezeichnung hat sich im deutschen Sprachraum neben dem Begriff AAC selbst inzwischen der Begriff Unterstützte Kommunikation etabliert. Mögliche, aber nicht so gängige Bezeichnungen für AAC sind außerdem: augmentative und alternative Kommunikation, alternative Kommunikation, augmentative Kommunikation, lautsprachersetzende und lautsprachergänzende Kommunikation.

  Ablaufplan
Ablaufpläne unterstützen das Symbol- und Situationsverständnis und/oder erleichtern die Verhaltenssteuerung. Ereignisse/Aktivitäten im Tageslauf (resp. im Wochenlauf etc.) oder auch während einer Routine wie Morgenhygiene oder Tischdecken werden jeweils durch externe Symbole repräsentiert. Im Unterschied zur Kommunikationstafel ist der Ablaufplan nicht primär zur Unterstützung der Ausdrucksmöglichkeiten gedacht, sondern unterstützt die Identifikation von Sachverhalten, wodurch das Situationsverständnis erleichtert werden soll. Im TEACCH-Ansatz wird viel mit Ablaufplänen gearbeitet.

  abstrakte Symbole
sind in der Terminologie der Unterstützten Kommunikation Symbole, die eher opak und/oder eher arbiträr und/oder eher detailarm sind. In manchen Publikationen werden mit dem Terminus auch Symbole bezeichnet, die für einen abstrakten Begriff stehen. Da der Begriff „abstrakt" also im Kontext Unterstützter Kommunikation nicht eindeutig gebraucht wird, sollte im Einzelfall angegeben werden, was genau damit gemeint ist.

  Agraphie
(auch Agrafie), ist ähnlich der Dysgraphie eine neurologisch bedingte Störung des Schreibens. Die Bezeichnungen „Agraphie" und „Dysgraphie" werden zum Teil synonym verwendet. Manche Autoren verwenden den Ausdruck „Dysgraphie" für partielle Störungen und den Begriff „Agraphie" für eine totale Schreibstörung.

  Aktivierungsfeedback
Rückmeldung darüber, dass ein Feld auf einer Kommunikationshilfe erfolgreich angesteuert worden ist (z.B. ein Licht erscheint oder ein Klick ertönt). Das Aktivierungsfeedback ist in erster Linie eine Hilfe für den Anwender und dient dem Kommunikationspartner nur insofern, als es ihm signalisiert, dass der Anwender im Begriff ist eine Aussage zu tätigen. Es informiert darüber, dass eine Auswahl aus dem Symbolrepertoire getroffen wurde (aber i. d. R. nicht darüber, welche Auswahl getroffen wurde).

  akustisches Scanning
anderes Wort für auditives Scanning

  Alexie
schwerste Form der Dyslexie

  alphanumerische Kodierung
Kodierung durch die Zuordnung von Buchstaben und/oder Ziffern zu einzelnen Symbolgruppen bzw. Symbolen. Beispielsweise kann die dritte Äußerung in Spalte E einer Kommunikationstafel durch „E3" kodiert werden.

  alternative Kommunikation
ist eine andere Bezeichnung für Unterstützte Kommunikation. Er bezieht sich auf die Kommunikation von Personen mit alternativen Kommunikationsformen (in Situationen, in denen normalerweise Lautsprache verwendet würde). Der Begriff betont, dass Lautsprache durch andere - lautsprachersetzende - Kommunikationsformen ersetzt wird. Er wird im deutschsprachigen Bereich oft in der Kombination „augmentative und alternative Kommunikation" gebraucht, kommt jedoch auch einzeln vor. vgl.  augmentative Kommunikation

  alternative Kommunikationsform
bedeutet im Kontext Unterstützter Kommunikation, dass die Kommunikationsform nichtlautsprachlich ist.

  alternative Sprachgruppe
auch Ersatzsprachgruppe. Von v. Tetzchner eingeführter Begriff zur Differenzierung der Zielgruppen für UK. Personen, die zur alternativen Sprachgruppe gehören, brauchen ein alternatives Symbolsystem nicht nur zur Unterstützung des Sprachausdrucks sondern auch zur Unterstützung des Sprachverständnisses. augmentative Sprachgruppe, expressive Sprachgruppe

  alternatives Symbolsystem
zur Lautsprache alternatives Symbolsystem, z.B. Bliss. Der Begriff „alternative Symbolsammlung" ist nicht gebräuchlich, d.h. der Begriff „alternatives Symbolsystem" wird als Oberbegriff sowohl für Symbolsysteme als auch für Symbolsammlungen gebraucht.

  analoge Kodierung
Räumlich und/oder zeitlich kontinuierliche Signale werden Sachverhalten so zugeordnet, dass zwischen Eigenschaften der Signale und Eigenschaften der Sachverhalte eine Ähnlichkeit besteht, z.B. je größer das Zeichen, um so quantitativ ausgedehnter der Sachverhalt. digitale Kodierung

  analoge Kommunikation
Kommunikation mit analogen Kodes, z.B. durch Körpersprache, Mimik, Gestik, Tonfall. Nach Paul Watzlawick wird mit analoger Kommunikation der Beziehungsaspekt einer Mitteilung übermittelt. Gegensatz digitale Kommunikation

  Anarthrie
schwerste Form der Dysarthrie, die Sprechfähigkeit ist aufgehoben.

  Ansagescanning
anderes Wort für auditives Scanning

  Ansteuerungshilfen
anderes Wort für Selektionshilfen

  AnwenderInnen
nennt man die Personen, die mit Unterstützter Kommunikation kommunizieren. Der Begriff ist zweideutig, da er sich zum einen auf alle beteiligten Kommunikationspartner beziehen kann, meist aber nur zur Bezeichnung der kommunikationsbeeinträchtigten Personen in der unterstützten Kommunikationssituation verwendet wird. Synonyme: BenutzerInnen, NutzerInnen.

  Aphasie
ist eine Sprachstörung infolge einer Hirnschädigung (z.B. nach einem Schlaganfall oder einer Verletzung des Hirns) nach abgeschlossenem Spracherwerb. Gestört ist die Sprachproduktion und das Sprachverständnis auf den verschiedenen Ebenen der linguistischen Kompetenz: Wortschatz, Aussprache und Grammatik. Meistens, jedoch nicht zwangsläufig, treten gleichzeitig Störungen der Schriftsprache (Dysgraphie, Dyslexie) auf.

  Apraxie
ist die Unfähigkeit, Körperteile zielgerichtet zu bewegen, Bewegungsfolgen auszuführen und gezielt mit Objekten zu hantieren (z.B. als Folge einer Hirnverletzung). Die Unfähigkeit darf nicht bedingt sein durch Lähmung, Ataxie, Dyskinesen, Sensibilitätsstörungen oder Beeinträchtigung im Sprachverständnis oder im Erkennen von Objekten. Es gibt verschiedene Formen der Apraxie. Eine Form der Apraxie ist die Sprechapraxie. Wenn die Sprechorgane auch bei nichtsprachlichen Bewegungsfolgen betroffen sind (z.B. das „Schnute machen" gestört ist), spricht man von einer buccofacialen Apraxie.

  arbiträre Symbole
siehe Arbitrarität

  Arbitrarität
Im Zusammenhang mit der Ikonizität von Symbolen geläufiger Begriff, der den Grad der willkürlichen Festlegung eines Symbols für eine bestimmte Bedeutung bezeichnet. Ist ein Symbol arbiträr, so lässt sich seine Bedeutung nicht spontan erraten, da kein Zusammenhang zwischen dem Aussehen des Symbols und seiner Bedeutung besteht. Arbiträre Symbole sind meist gleichzeitig opak (Ausnahme: Anwender konstruiert sich Eselsbrücke).

  assistive technology
abgekürzt AT. Fachgebiet, das sich teilweise (z.B. Anpassung elektronischer Hilfen) mit dem Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation überschneidet. Assistive technology beschäftigt sich mit der Anpassung technischer Hilfen zur Kompensation von Behinderungen.

  AT
siehe assistive technology

  auditives Scanning
Der Benutzer oder die Benutzerin bekommt die zur Verfügung stehenden Symbole lautsprachlich angesagt (z.B. über Kopfhörer) und signalisiert seine bzw. ihre Auswahl durch ein Signal, z.B. das Drücken einer Taste. Auditives Scanning ist eine Möglichkeit der Symbolansteuerung für sehbehinderte Menschen, wird aber auch oft spontan in Kommunikationssituationen eingesetzt, in denen visuelle Symbole nicht zur Hand sind. Synonyme: akustisches Scanning, Ansagescanning, Vorhersagescanning

  augmentative Kommunikation
ist eine andere Bezeichnung für Unterstützte Kommunikation. Der Begriff betont, dass Lautsprache durch andere - lautsprachersetzende - Kommunikationsformen ergänzt/erweitert wird sowie dass der Lautspracherwerb unterstützt (augmented) wird. Er wird im deutschsprachigen Bereich meist in der Kombination „augmentative und alternative Kommunikation" gebraucht und kommt selten einzeln vor. vgl. alternative Kommunikation

  augmentative Sprachgruppe
auch Unterstützungssprachgruppe. Von v. Tetzchner eingeführter Begriff zur Differenzierung der Zielgruppen für UK. Personen, die zur augmentativen Sprachgruppe gehören, brauchen ein alternatives Symbolsystem ergänzend zur Lautsprache, z.B. während der kindlichen Entwicklung (oft bei Menschen mit Down-Syndrom) oder nur in bestimmten Situationen (z.B. mit unvertrauten Kommunikationspartnern). alternative Sprachgruppe, expressive Sprachgruppe

  Ausdruckssprachgruppe
siehe expressive Sprachgruppe

  Autismus
tiefgreifende Entwicklungsstörung, gekennzeichnet durch Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion, der Kommunikation und der Interessenvielfalt. Viele Menschen mit Autismus können nicht sprechen. Da zudem häufig das Lautsprachverständnis beeinträchtigt ist, gehören sie oft zur alternativen Sprachgruppe.

  automatisches Scanning
Der Begriff wird uneinheitlich verwendet. Meist bezieht er sich auf einen bestimmten Scanmodus: Der Scanning-Indikator bewegt sich selbständig und stoppt, sobald das vereinbarte Signal (z.B. Tastendruck) gegeben wird. Gegenteil: gerichtetes Scanning

  B

  Basale Kommunikation
ist ein Konzept für eine spezifische Umgangsweise, die an die Erfahrungen der frühen Mutter-Kind-Kommunikation anknüpft. Potentiell alle Verhaltensweisen des Partners bzw. der Partnerin (Atemrhythmus, Körperhaltung, Spannungsveränderungen, Lautäußerungen, Stereotypien usw.) werden als Äußerungsverhalten interpretiert, das durch Spiegeln, Variieren, Kommentieren beantwortet wird. Das Konzept der Basalen Kommunikation wurde von Winfried Mall entwickelt.

  Bedeutung
Begriff, der in Philosophie, Logik, Linguistik und Psychologie unterschiedlich definiert und/oder verwendet wird. In der Unterstützten Kommunikation wird unter Bedeutung eines Symbols entweder der korrespondierende lautsprachlich Begriff oder das korrespondierende nichtsprachliche kognitive Konzept verstanden.

  Bezugsobjekt
ursprünglich in der Taubblindenpädagogik entwickelter Begriff. Das Bezugsobjekt, auch als Verweiser oder Platzhalter bezeichnet, verweist oder bezieht sich auf ein Ereignis, eine Person oder einen Ort - steht sozusagen dafür und dient so als stabiles Mittel zur Information (Signal) bzw. Kommunikation (Objekt-Symbol).

  bildproduzierende Wörter
Wörter, zu denen vielen Menschen spontan eindeutige Bilder einfallen. Beispielsweise ist „Apfel" ein stärker bildproduzierendes Wort als „mehr". Bildproduzierende Wörter ermöglichen Symbole mit hoher Ikonizität. In jeder Unterhaltung ist nur eine kleine Minderheit der anfallenden Wörter bildproduzierend, der Rest ist nichtbildproduzierend.

  Bildsymbole
sind eine andere Bezeichnung für grafische Symbole, z.B. Fotos, Zeichnungen, Piktogramme, Bliss, Schrift. Mit Bildsymbolen sind daher nicht nur Bilder im engeren Sinn gemeint (z.B. Fotografien), vielmehr bezieht sich der Begriff auf sämtliche zweidimensionale Abbildungen, die auf eine Bedeutung verweisen sollen. Objektsymbole, Tastsymbole, körpereigene Symbole

  Bliss
Das Bliss-Symbolsystem wurde von Charles K. Bliss als universale ideografische Schriftsprache erfunden und von Blissymbolics Communication International als alternatives Symbolsystem für Menschen mit schweren Sprechstörungen weiterentwickelt. Noch später wurden Bliss-Symbole auch für Menschen mit Sprachstörungen verwendet.

  Blockscanning
Verfahren des kombinierten Scannings, in dem im ersten Schritt Blöcke von Feldern angewählt werden und im zweiten ein Element innerhalb des Blocks.

  Boardmaker
verbreitete Software zum Erstellen von Symbolkarten, Kommunikationstafeln und Deckblättern für Sprachausgabegeräte. Boardmaker enthält PCS-Symbole, andere Formate können importiert werden.

  C

  Cue
bedeutet auf Deutsch „Hinweisreiz". Cues nennt man im Kontext Unterstützter Kommunikation solche Situationsmerkmale, die, gewollt oder ungewollt, Hinweise für das Verständnis der Situation geben, z.B. eine grüne Ampel (visueller Cue) oder ein Stichwort (verbaler Cue) zur Anzeige, dass eine Tätigkeit begonnen werden soll. Bewusst gesetzte Cues nennt man auch Prompts.

  D

  Deutsche Gebärdensprache
abgekürzt DGS, ist die in Deutschland verbreitete Gebärdensprache der Gehörlosen. Entsprechend gibt es Britische Gebärdensprache, Amerikanische Gebärdensprache usw.

  Deutsche Wortstrategie
Anwendung der Minspeak-Strategie auf einen Teil des deutschen Wortschatzes mit dem Ziel einer Beschleunigung der Kommunikationsgeschwindigkeit und Erleichterung des Lernens durch standardisierte semantische Kodierung dieser Wörter. Mehreren tausend Wörtern der deutschen Sprache sind jeweils bestimmte Ikonsequenzen als Kodierung zugeordnet. Beispiel: Haus + Zimmer + Bett = Schlafzimmer. Die Deutsche Wortstrategie ist urheberrechtlich geschützt.

  digitale Kodierung
Signale werden Sachverhalten willkürlich zugeordnet. Die Zeichen des resultierenden digitalen Kodes werden als diskontinuierliche Signale behandelt, sie erzeugen Bedeutung stufenweise, z.B. über Buchstaben oder Laute. analoger Kode

  digitale Kommunikation
basiert auf einem digitalen Kode, d.h. auf Information, die in diskreten Einheiten kodiert sind. Beispiele sind die Kommunikation durch lautsprachliche Wörter, durch Morsezeichen oder durch Gebärden. Nach Watzlawick übermittelt die digitale Kommunikation den Inhaltsaspekt einer Äußerung. Der Begriff digitale Kommunikation darf nicht mit dem Ausdruck digitalisierte Sprache verwechselt werden. Gegensatz analoge Kommunikation

  digitalisierte Sprache
Option von Sprachausgabegeräten. Natürliche Lautsprache wird elektronisch zwecks Speicherung in diskrete Einheiten zerlegt und dann jeweils zwecks Wiedergabe in die analoge Form zurückkonvertiert, d.h. Äußerungen müssen von einer Person auf das Gerät aufgesprochen werden. Im Gegensatz dazu synthetische Sprache

  direkte Selektion
ist die einfachste Art der Auswahl eines Symbols: Das Symbol selbst wird ohne Zwischenschritte durch eine Körperbewegung (z. B. mit dem Zeigefi nger oder mit dem Blick zeigen, ein Symbol ergreifen und dem Partner geben) ausgewählt. Direkte Selektion kann – wie in den angegebenen Beispielen – mit körpereigenen Mitteln erfolgen. Sie kann aber auch mit Hilfsmitteln erfolgen (z.B. mit einem Kopfzeiger, Laserzeiger, Infrarotzeiger). Gegenteil indirekte Selektion

  Down-Syndrom
Menschen mit Down-Syndrom haben das 21. Chromosom dreifach (Trisomie 21). Menschen mit Down-Syndrom sind in der Regel kognitiv beeinträchtigt. Die Sprachentwicklung verläuft verzögert, in manchen Fällen wird auch keine Lautsprache entwickelt. Menschen mit Down-Syndrom gehören oft zur augmentativen Sprachgruppe.

  dynamische Symbole
1. im deutschen Sprachraum ein Synonym für körpereigene Symbole
2. im amerikanischen Sprachraum alle Symbole, deren Bedeutungen von einer Bewegung abhängen, z.B. lautsprachliche Wörter und die Mehrzahl der Gesten und Gebärden sowie animierte grafische Symbole auf einem Display als Bestandteil von Kommunikationssoftware. flüchtige Symbole, stabile Symbole, statische Symbole

  dynamisches Display
1. ein Display, in dem die Auswahl eines Feldes zu einem weiteren Symbolauswahlmenü führt (wie bei Windows). Solche Displays sind Bestandteil vieler Sprachausgabegeräte.
2. im amerikanischen Sprachraum werden darüber hinaus auch Displays mit dynamischen grafischen Symbolen als dynamische Displays bezeichnet.

  Dysarthrie
(auch Dysarthrophonie) ist eine erworbene Störung der Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen. Die Bewegungsstörung kann alle beteiligten Muskelgruppen betreffen: Atemmuskulatur (Sprechatemstörung), Kehlkopfmuskulatur (Stimmstörung) und die Muskulatur oberhalb des Kehlkopfes (Artikulationsstörung). Nicht sprachliche Bewegungen der beteiligten Muskelgruppen müssen nicht betroffen sein. Ursachen sind Durchblutungsstörungen des Gehirns, Parkinson-Syndrom und andere Stammganglienerkrankungen, Schädel-Hirn-Traumen, Multiple Sklerose, Erkrankungen des motorischen Neurons (bspw. Amyotrophe Lateralsklerose) oder degenerative Kleinhirnerkrankungen. Siehe auch Anarthrie

  Dysgraphie
(auch Dysgrafie), Störung der Schreibfähigkeit. Die Bewegungsmuster für die geschriebenen Wörter können nicht mehr oder nicht mehr zureichend produziert werden, obwohl die Bewegungsfähigkeit der Hand erhalten ist. Agraphie. Der Begriff Dysgraphie wird im deutschsprachigen Raum auch verwendet, um eine Entwicklungsstörung des Schreibens bei Kindern zu bezeichnen und weicht damit von der englischsprachigen Terminologie ab.

  Dyslexie
Beeinträchtigung der Lesefähigkeit (bei vorhandenem Sehvermögen). Dyslexie kann als Entwicklungsstörung auftreten (Entwicklungsdyslexie) oder aber erworben sein, z.B. nach Schlaganfall.

  Dyspraxie
leichte Form der Apraxie

  E

  Ebenen
Manche Sprachausgabegeräte haben mehrere Ebenen, d.h. das Vokabular ist auf verschiedene Untergruppen verteilt (beispielsweise 196 Äußerungen auf vier Ebenen mit je 48 Feldern), wobei zwischen diesen gewechselt werden kann. Nach Auswahl einer Ebene steht nur das Vokabular dieser Untergruppe zur Verfügung. Sequenzen

  einfaches Scanning
besteht darin, dass der Scanningindikator von Feld zu Feld wandert (erst in der ersten Zeile oder Spalte, dann in der zweiten, dritten usw.) und beim gewünschten Feld gestoppt wird. Lineares Scanning ist langsam, aber kognitiv einfach zu bewältigen. Wandert der Scanningindikator kreisförmig von Feld zu Feld, spricht man von zirkulärem Scanning. Der Gegensatz zu einfachem Scanning ist kombiniertes Scanning.

  Eingabehilfen
ist ein anderer Ausdruck für Selektionshilfen, speziell für solche, die die Ansteuerung eines Computers oder eines Sprachausgabegeräts ermöglichen, z.B. Spezialtastaturen, Taster für Scanning-Verfahren, Infrarot- oder Laser-Steuerung des Geräts mittels Kopfbewegung.

  elektronische Kommunikationshilfen
im Kontext UK: elektronische Geräte mit Lautsprachausgabe, die zum Ersatz bzw. zur Ergänzung von natürlicher Lautsprache benutzt werden. Komplexe elektronische Kommunikationshilfen bieten die Option der Schriftsprachausgabe im Display der Geräte und/oder auf einem Computermonitor (bei der entsprechenden Verbindung zum PC). Über den Computer können die Aussagen dann auch ausgedruckt werden. allgemein: Computer mit Kommunikationssoftware; Sprachausgabegeräte; elektronische Ansteuerungshilfen.

  Ersatzsprachgruppe
alternative Sprachgruppe

  expressiv
bezieht sich auf den Sprachgebrauch, also das Äußern von Sprache. rezeptiv. vgl. auch expressive Sprachgruppe.

  expressive Sprachgruppe
auch Ausdruckssprachgruppe. Von v. Tetzchner eingeführter Begriff zur Differenzierung der Zielgruppen für UK. Personen, die zur expressiven Sprachgruppe gehören, brauchen ein alternatives Symbolsystem zur Unterstützung des Sprachausdrucks, nicht zur Unterstützung des Sprachverständnisses („versteht alles, spricht nicht"). alternative Sprachgruppe, augmentative Sprachgruppe

  externe Kommunikationsform
Laut- bzw. schriftsprachergänzende oder -ersetzende Kommunikationsform, die nichtelektronische oder elektronische Hilfsmittel (wie Piktogramme, Fotos, reale Objekte, Sprachausgabegeräte etc.) verwendet. externe Symbole, externe Kommunikationshilfen

  externe Kommunikationshilfe
ist ein Gegenstand, der zur Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten benutzt wird, z.B. eine Kommunikationstafel oder ein Sprachausgabegerät.

  externe Symbole
sind Symbole, die durch ein materielles Objekt repräsentiert sind, z.B. Objektsymbole, Piktogramme, Schriftzeichen. körpereigene Symbole

  F

  Facilitated Communication
siehe Gestützte Kommunikation

  Farbkodierung
Der Begriff wird im Kontext Unterstützter Kommunikation in zwei unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht:
1. Kodierung durch die Zuordnung von Farben zu einzelnen Symbolgruppen bzw. Symbolen. Beispielsweise kann die blauumrahmte Äußerung in der roten Spalte einer Kommunikationstafel durch das Anwählen eines Symbols „blau" und das anschließende Anwählen eines Symbols „rot" kodiert werden.
2. farbliche Markierung von Symbolen, um dem Benutzer eine zusätzliche Orientierung zu geben, damit dieser die Symbole besser unterscheiden und/oder schneller fi nden kann.

  FC
siehe Gestützte Kommunikation

  Felder
im Kontext Unterstützter Kommunikation die unterschiedlichen Orte auf einer Kommunikationstafel oder auf der Tastatur bzw. dem Monitor (bei Touchscreen) einer elektronischen Kommunikationshilfe, die angesteuert werden.

  Fingeralphabet
Kodierung der einzelnen Buchstaben des Alphabets durch Handzeichen. Es gibt verschiedene Fingeralphabete; das in Deutschland gebräuchlichste ist das einhändig ausgeführte internationale Fingeralphabet. Lormen

  Fingerlesemethode
Leselehrmethode, bei der die einzelnen Sprachlaute durch Handzeichen dargestellt werden. Durch die Visualisierung und durch den motorischen Mitvollzug der Laute mit der Hand/den Fingern und insbesondere der Übergänge zwischen den Lauten soll der Leselernprozess unterstützt werden.

  Fitzgerald Key
Eine nach dem Fitzgerald Key (deutsch: Fitzgerald-Schlüssel) aufgebaute Kommunikationstafel enthält in der ersten Spalte Höflichkeitsformen und Fragesymbole, in der zweiten Bezeichnungen für Personen , in der dritten Verben, in der vierten Adjektive und Präpositionen in der fünften Objekte und in der letzten soziale Begebenheiten und Zeitangaben, jeweils mit unterschiedlichen Hintergrundfarben gekennzeichnet.

  flüchtige Symbole
auch als dynamische Symbole bezeichnete Verständigungsmittel, die nach der Produktion keine Spuren hinterlassen: Pantomime, Geste, Gebärde, (taktiles) Lorm- oder Fingeralphabet, Lautsprache. Gegenteil: stabile Symbole

  G

  Gateway
Anwendungsprogramme auf elektronischen Kommunikationshilfen mit verschiedenen Anspruchsniveaus.

  Gebärde
Im Kontext Unterstützter Kommunikation oft allgemein für Zeichen, die mit den Händen ausgeführt werden, um eine Bedeutung auszudrücken. Handzeichen. In der Gebärdensprachforschung wird der Begriff Gebärde eingegrenzt auf konventionelle, nach linguistischen Regeln gebildete körpereigene Zeichen, die vornehmlich mit den Händen gebildet werden und Bedeutungen repräsentieren. vgl. Geste

  Gebärdensprache
ist das natürliche Kommunikationsmittel, das sich in der Gemeinschaft Gehörloser entwickelt hat. Gebärdensprachen besitzen ein eigenständiges Lexikon konventionalisierter Handzeichen sowie eigenständige Grammatiken, sie stellen also ein eigenes linguistisches System dar. Als visuelle Sprache greift sie auf räumliche Beziehungen zurück und bezieht nonmanuelle Mittel (z.B. Mimik) mit ein.

  Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK)
bezeichnet ein von Etta Wilken entwickeltes System. Es soll jüngeren hörenden Kindern mit verzögerter Entwicklung der Lautsprache, insbesondere Kindern mit Down-Syndrom, den Zugang zur gesprochenen Sprache erleichtern. Dabei werden nicht alle gesprochenen Wörter und vor allem nicht alle grammatischen Strukturen (Fälle und Mehrzahlbildungen) gebärdet, sondern nur die bedeutungstragenden Wörter.

  geführtes Scanning
anderes Wort für gerichtetes Scanning

  gerichtetes Scanning
Das Scan-Muster ist unter der Kontrolle des Benutzers bzw. der Benutzerin. Dieser/diese bewegt den Scanning-Indikator mit mehreren Schaltern, z.B. mit 2 Tastern, bei dem ein Taster die Auswahl weiterführt und mit dem zweiten Taster die Auswahl getroffen wird, so dass er ihn z.B. gezielt vertikal oder horizontal bewegen kann. Erhöht man die Anzahl der Schalter (z.B. Joystick) verringert sich hinsichtlich der Selektionsgeschwindigkeit der Unterschied zur direkten Selektion. Synonym: gerichtetes Scanning

  Gesprächsschritt
Ein Gesprächsschritt (englisch: turn) ist die Grundeinheit des Dialogs. Er beinhaltet alle Äußerungen des Sprechers bis zu seinem Rollenwechsel in die Hörerrolle (englisch: turn-taking).

  Geste
1. nonverbales Pendant zur Gebärde. Gesten sind im Unterschied zu Gebärden ganzheitlich, transportieren Bedeutung analog und sind in ihrer Bedeutung kontextgebunden, auf das Hier und Jetzt angewiesen. Der Gebrauch von Gesten setzt nicht die Entwicklung der Symbolfunktion voraus.
2. im weiteren Sinne jede nonverbalenonvokale Äußerung, z.B. Begleitgestik beim Sprechen.

  Gestützte Kommunikation
Übersetzung des englischsprachigen Begriffs „Facilitated Communication". Methode der Unterstützten Kommunikation, in der die externe Kommunikationshilfe mit körperlicher Hilfestellung einer Hilfsperson (StützerIn) angesteuert wird, wobei - im Unterschied zur Methode der Handführung - die StützerInnen sich bemühen, die Bewegungen der gestützten Person nicht zu beeinflussen, und bereits vor dem Ausblenden der körperlichen Hilfestellung die gestützt kommunizierten Mitteilungen der gestützten Person zugeschrieben werden. Neben der körperlichen Hilfestellung wird verbale und emotionale Hilfestellung gegeben. Abkürzungen: GK; FC (von Facilitated Communication)

  grafische Symbole
zweidimensionale visuelle Symbole (z.B. Fotos, Zeichnungen, Piktogramme, Buchstaben). Synonym: Bildsymbole

  greifbare Symbole
andere Bezeichnung für Objektsymbole. vgl. Tastsymbole

  Gruppe-Item-Scanning
anderes Wort für Blockscanning

  GuK
siehe gebärdenunterstützte Kommunikation

  H

  Handzeichen
uneinheitlich verwendeter Begriff, z.B. als Oberbegriff für Gebärden, Gesten, Fingeralphabet, Manualsysteme, aber auch als kontrastierender Begriff zur lautsprachbegleitenden Gestik.

  hilfsmittelunterstützte Kommunikation
Kommunikation mit externen Hilfsmitteln zur Repräsentation des Vokabulars (z.B. Objektkästen, Kommunikationstafeln, Sprachausgabegeräten) bzw. zur Ansteuerung der Kommunikationshilfe. auch: hilfsmittelgestützte oder externe Kommunikation. Gegenteil: körpereigene Kommunikation

  I

  ideografisch
siehe Ideogramm

  Ideogramm
Schriftzeichen, das einen ganzen Begriff darstellt. Beispielsweise sind viele Bliss-Symbole ideografi sch.

  idiosynkratisches Symbol
Symbol, das typisch und einzigartig für ein einzelnes Individuum ist. So nennt man idiosynkratische Gebärden (Synonym: Privatgebärden) diejenigen Gebärden, die AnwenderInnen, die keinen Zugang zu tradierten Gebärdensystemen haben, spontan entwickeln. Idiosynkratische Gebärden werden daher oft nur von den jeweiligen AnwenderInnen und wenigen eingeweihten Kontaktpersonen verstanden. Idiosynkratische Gebärden entstehen auch durch die Abwandlung konventioneller Gebärden durch die AnwenderInnen. Auf der vokalen Ebene sind idiosynkratische Symbole diejenigen Laute oder Lautkombinationen, deren Bedeutung nur vertraute Personen kennen.

  Ikon
bedeutet ikonisches Symbol. Der Begriff wird meist benutzt, um ikonische Symbole zu bezeichnen, die auf Sprachausgabegeräten platziert sind (z.B. bei Minspeak -Kodierungen sollen die verwendeten Ikonen viele verschiedene Assoziationen und damit Eselsbrücken als Merkhilfe anbieten).

  ikonisch
bildhaft, anschaulich. Ikonizität

  Ikonizität
1. allgemein: Grad der Bildhaftigkeit. Ikonizität bezeichnet den Grad der anschaulichen Ähnlichkeit, der für eine bestimmte Person oder eine bestimmte Personengruppe zwischen dem Aussehen eines Symbols und dessen Bedeutung besteht. Die Dimension der Ikonizität hat die beiden Pole opak und ikonisch. Zwischen diesen beiden Polen liegt das Merkmal transluzent.
2. In der semantischen Kodierung unterscheidet man zudem zwischen primärer Ikonizität und sekundärer Ikonizität von Abbildungen, je nachdem, wie stark die Assoziation zwischen dem Bild und den ihm zugeordneten Bedeutungen für einen bestimmten Personenkreis besteht. Beispiel: ein Bild von einem Apfel ist primär ikonisch für „Apfel" und sekundär ikonisch für „essen", „rund", „süß", „Versuchung" etc..

  Ikonvorhersage
anderes, heute nicht mehr so gebräuchliches Wort für Sequenzanzeige

  Imitationslernen
Lernen durch Nachahmung. Echtes Imitationslernen (im Unterschied zu bloßem Kopieren von Verhaltensweisen) setzt voraus, dass das Verhalten des anderen als zielbezogen verstanden wird.

  indirekte Selektion
wird manchmal als Synonym für Scanning gebraucht. Eine andere Verwendungsweise des Worts versteht darunter jedes Selektionsverfahren, in dem der Anwender mehrere Einzelschritte vollziehen muss, um ein Element aus den Elementen seines Repertoires auszuwählen. Im letzten Fall fällt dann auch die Kodierung unter den Oberbegriff indirekte Selektion.

  individuelles Kommunikationssystem
setzt sich aus den jeweils individuell abgestimmten Komponenten (körpereigenen Kommunikationsformen, Kommunikationshilfen, Selektion, Vokabular, Kommunikationsstrategien) zusammen und erlaubt somit eine effektive Kommunikation.

  individuelles Vokabular
Gesamtmenge der zur Kommunikation zur Verfügung stehenden Symbole. Das individuelle Vokabular besteht aus dem Kernvokabular und dem Randvokabular.

  intentional
absichtlich, zielgerichtet. Intentionales Verhalten nennt man auch Handlung.

  Interaktion
im Sinne von sozialer Interaktion: Unterbegriff zur Handlung (vgl. intentional) und Oberbegriff zur Kommunikation. Mit Interaktion wird die wechselseitige Beeinfl ussung von Menschen bezeichnet, die durch deren auf den Partner gerichtetes Verhalten entsteht.

  inverses Scanning
Variante des automatischen Scannings: Der Scanning-Indikator bewegt sich, solange ein Signal gegeben wird, z.B. ein Schalter gedrückt gehalten wird. Wird der Schalter losgelassen, stoppt der Scanning-Indikator.

  J

  joint attention
heißt auf Deutsch „gemeinsame Aufmerksamkeit". Man bezeichnet damit die Koordination der Aufmerksamkeit von zwei oder mehr Personen auf einen gemeinsamen Fokus (Gegenstand, Ereignis, Idee). Im visuellen Bereich geschieht dies u.a. durch Herstellen von Blickkontakt, durch das visuelle Verfolgen des Blicks der anderen Person, durch Zeigen mit dem Blick oder mit dem Finger. Joint attention kann aber auch auditiv oder taktil hergestellt werden. Der Begriff impliziert weiterhin, dass sich die beteiligten Personen dessen bewusst sind, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf die gleiche Entität richten. vgl. Triangulation

  K

  Kernvokabular
Übersetzung des englischen Begriffs „core vocabulary". Das Kernvokabular umfasst Wörter, die über verschiedene Situationen hinweg häufi g gebraucht werden. Kernvokabular und Randvokabular ergeben zusammen das individuelle Vokabular. In dem Satz „Auf der Isaac-Konferenz in Düsseldorf gab es viel zu sehen, unter anderem benutzerfreundliche Kommunikationssoftware." gehören zum Kernvokabular die Ausdrücke „auf, der, in, gab, es, viel, zu, sehen, unter, anderem", die anderen Ausdrücke gehören zum Randvokabular.

  Kodierung
Allgemein bedeutet Kodierung die Zuordnung von Variablen einer Liste zu Variablen einer zweiten Liste (zum Beispiel Morsecode; Schrift). Im Kontext Unterstützter Kommunikation wird mit dem Begriff in der Regel eine Technik zur Erhöhung der Selektionsgeschwindigkeit bezeichnet: Die AnwenderInnen übermitteln den GesprächspartnerInnen nicht die Nachricht selbst, sondern einen Kode der Nachricht. Es gibt viele Möglichkeiten der Kodierung, beispielsweise alphanumerische Kodierung, Farbkodierung, semantische Kodierung (z.B. benutzt auch bei Minspeak-Anwenderprogrammen in Sprachausgabegeräten)

  Kokonstruktion
Äußerungen sind oft mehrdeutig, insbesondere wenn sie mit Unterstützter Kommunikation gebildet werden. Beispielsweise müssen bei geringem Vokabular Begriffe oft umschriebenoder durch die Äußerung assoziierter Ausdrücke angedeutet werden. Durch Nachfragen und andere Klärungsstrategien kann dann herausgefunden werden, was mit der Äußerung gemeint ist. Diese gemeinsame Entschlüsselung nennt man Kokonstruktion.

  kombiniertes Scanning
ist die indirekte Ansteuerung eines Sprachausgabegeräts oder einer Kommunikationstafel durch die Eingabe eines mehrdimensionalen Kodes: Beispielsweise kann eine Tastatur von 128 Feldern angesteuert werden, indem zuerst einer der vier 32-er Blöcke angesteuert wird, dann eine der vier 8-er Zeilen in diesem Block und schließlich eine der 8 Tasten in dieser Zeile. Gegenteil: einfaches Scanning

  Kommunikation
Kommunikation ist ein Unterbegriff zu Interaktion. Der Begriff Kommunikation wird in verschiedenen Bedeutungen gebraucht, ggf. muss präzisiert werden, was gemeint ist. In seiner weitesten Bedeutung bezieht er sich darauf, dass jede Lebensäußerung eines Menschen von einem anderen kommunikativ interpretiert werden kann, z.B. bei der sog. präverbalen Kommunikation des Säuglings. In einem engeren Sinne wird von Kommunikation erst dann gesprochen, wenn der Sender bewusst die Aufmerksamkeit eines Empfängers auf etwas (Objekt, Ereignis, Idee) richtet, um ein Ziel zu erreichen (vgl. joint attention). Weitere Einschränkungen des Begriffs können erfolgen hinsichtlich der verwendeten kommunikativen Form oder hinsichtlich des Gelingens/Misslingens des kommunikativen Akts.

  Kommunikationsebene
Man kann in der kindlichen Entwicklung zwischen verschiedenen Stufen der Kommunikationsentwicklung unterscheiden. Relativ verbreitet ist die Unterscheidung in präintentionale Kommunikation, intentionale Kommunikation, symbolische Kommunikation und sprachliche Kommunikation. Innerhalb dieser einzelnen Stufen werden je nach theoretischer Ausrichtung verschiedene Unterteilungen und Differenzierungen vorgenommen. Die verschiedenen Stufen treten in der Entwicklung des Kindes nacheinander auf, wobei jede dazukommende Stufe zur vorhergehenden hinzukommt und diese nicht etwa ablöst. Resultat dieser Entwicklung ist, dass auf allen Niveaus einzeln oder ineinandergreifend kommuniziert werden kann. Synonym: Kommunikationsniveau

  Kommunikationsform
bezeichnet, je nach Kontext, unterschiedliche Klassifikationen von Kommunikation, z.B. kann man unterscheiden zwischen direkten und indirekten Kommunikationsformen, zwischen asynchronen und synchronen Kommunikationsformen etc. Im Kontext der UK bezeichnet der Ausdruck
1. unterschiedliche Repräsentationsformen des Vokabulars (z.B. Objekte, Piktogramme, Lautsprache, Schriftsprache, Gesten, Gebärden), wobei je nach Abstraktionsgrad die Unterscheidungen allgemeiner oder spezifischer gefasst werden können.
2. unterschiedliche Ansteuerungsformen für das Vokabular (z.B. Auswahl durch Blinzelcode; Zeigen mit der Hand; Scanning)
3. unterschiedliche Übertragungsformen für das Vokabular (z.B. Kommunikationstafel; Sprachausgabegerät; Papier und Bleistift; körpereigen). Kommunikationsmodus, Kommunikationsmethode

  Kommunikationshilfe
Hilfsmittel zur Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten. Man unterscheidet nichtelektronische Kommunikationshilfen (Buchstabentafeln, Bild- und Symbolkarten und -tafeln, Kommunikationsbücher etc. einschließlich der entsprechenden Zeigehilfen) und elektronische Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräte, Computer mit den dazugehörende notwendigen sowie entsprechende Zeigehilfen, Eingabe- und Bedienhilfen). Dem Terminus entspricht im Englischen der Ausdruck „assistive communication device".

  Kommunikationskanal
anderes Wort für Kommunikationsmedium

  Kommunikationskompetenz
besteht aus der linguistischen Kompetenz, der pragmatischen Kompetenz, der strategischen Kompetenz und der operationalen Kompetenz. vgl. Sprachkompetenz

  Kommunikationsmedium
ist das physikalische Medium oder der Weg, über den die Informationen ausgetauscht werden. Synonym: Kommunikationskanal

  Kommunikationsmodus
ist eine Art Kommunikationsformen zu klassifizieren. In der Regel, falls nicht anders ausgewiesen, bezieht sich der Begriff auf die verschiedenen Kommunikationskanäle, die zur Übertragung oder zum Empfang derÄußerung benutzt werden, z.B. visueller Kommunikationsmodus, auditiver Kommunikationsmodus.

  Kommunikationsniveau
anderes Wort für Kommunikationsebene

  Kommunikationsrepertoire
Die Gesamtheit der Äußerungsmöglichkeiten einer bestimmten Person. Es besteht aus dem individuellen Vokabular, den jeweiligen Repräsentationsformen des Vokabulars und den beherrschten Anwendungsregeln.

  Kommunikationsstufe
anderes Wort für Kommunikationsebene

  Kommunikationssystem
siehe individuelles Kommunikationssystem

  Kommunikationsstrategie
Im Kontext Unterstützter Kommunikation Bezeichnung für eine Reihe von Fertigkeiten der kommunizierenden Person, die dazu dienen, die Kommunikationshilfen, Symbole und Techniken so einzusetzen, dass sie möglichst effektiv die Kommunikation verbessern oder beschleunigen. Beispiele: Strategien, um ein Thema zu finden, das Gespräch aufrechtzuerhalten und Missverständnisse zu erkennen und zu klären; situations- und personenspezifischer Einsatz der Kommunikationshilfe.

  Kommunikationstafel
Nichtelektronische Kommunikationshilfe, bestehend aus einer Unterlage (Holz, Pappe, Plastik etc.) und den darauf befestigten Symbolen, die eine Person zur Erweiterung ihrer Ausdrucksmöglichkeiten nutzt. Kommunikationstafeln können z.B. als ganze Seite ausgedruckt und laminiert sein oder es werden einzelne Symbolkarten mit Klett auf einer Unterlage befestigt. nichtelektronische Kommunikationshilfen

  Kommunikationstagebuch
Eine Kladde, die die Benutzerin bzw. der Benutzer einsetzen kann, um z.B. in der Schule zu erzählen, was sie oder er zu Hause erlebt hat und umgekehrt. Das Kommunikationstagebuch wird stellvertretend für die BenutzerInnen von den jeweiligen Kontaktpersonen (z.B. Lehrer und Eltern) geführt, unter größtmöglicher Einbeziehung der BenutzerInnen. Das Kommunikationstagebuch kann auch elektronisch geführt werden (Kassettenrecorder; Sprachausgabegerät). Beide Formen haben ihre jeweiligen Vor-und Nachteile.

  Kommunikationstechniken
Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Verwendung der körpereigenen Kommunikationsformen oder in der Bedienung einer Kommunikationshilfe (operationale Kompetenz). Zur Bedienung von Kommunikationshilfen gehören z.B. je nach Ansteuerungsmethode die Techniken Zeigen, Greifen, Drücken und das Beherrschen von direkten und indirekten Selektionstechniken.

  Komplexität
Gesamtheit aller Merkmale, Vielschichtigkeit. Der Begriff wird bei der Untersuchung grafischer Symbole häufig in der Literatur verwendet, wobei dann im Einzelnen Komplexität operationalisiert werden muss (z.B. Anzahl der Striche in einer Zeichnung).

  konkrete Symbole
sind entweder das Gegenteil von opaken Symbolen oder von abstrakten Symbolen.

  konventionelles Symbol
durch Verabredung vereinbart, allgemein bekannt, üblich. Es ist allerdings nicht notwendig, dass diese Verabredung explizit erfolgt, z.B. sind die lautsprachlichen Wörter in der Regel konventionelle Symbole, ebenso wie Kopfnicken zur Bejahung und Kopfschütteln zur Verneinung. Gegenteil idiosynkratisches Symbol

  körpereigene Kommunikationsform
sind Kommunikationsformen, die mit Hilfe des Körpers ohne den Einsatz zusätzlicher Hilfsmittel vollzogen werden können. Körpereigene Kommunikationsformen können z.B. sein: Lautsprache; Nutzung von Lautsprachresten; Vokalisationen; Blickbewegungen; Mimik; Gesten; Gebärden; Fingeralphabet; individuelle Systeme (z.B. das Schreiben von Buchstaben mit dem Kopf in die Luft).

  körpereigene Symbole
sind Symbole, die ausschließlich mit Hilfe des Körpers hergestellt werden, z.B. die Wörter natürlicher Lautsprache, Gebärden, Fingeralphabet. Auch hier wird der Symbolbegriff gelegentlich sehr weit gefasst, kann also nichtsprachliche Zeichen wie Mimik und Gesten mit einschließen. Der Terminus entspricht dem englischen „unaided symbols".

  Körpersprache
umgangssprachlicher Begriff für verschiedene nichtlautsprachliche Kommunikationsformen, z.B. Gesten, Kopfbewegungen und andere Körperbewegungen, Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Blickrichtung, räumliche Nähe und Einstellung, Körperkontakt, Orientierung, Tonfall und andere nonverbale Aspekte der Sprache, Kleidung und Schmuck.

  L

  Lautsprachbegleitende Gebärden
Von der Deutschen Gebärdensprache (DGS) ist das so genannte lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) zu unterscheiden. Parallel zu jedem gesprochenen Wort wird eine möglichst bedeutungsgleiche Gebärde ausgeführt. LBG bedient sich also der Gebärdenzeichen der DGS, ohne jedoch deren Grammatik zu berücksichtigen. Vielmehr setzt LBG eine möglichst gute Lautsprachkompetenz voraus. LBG ist keine Gebärdensprache, sondern lediglich ein künstliches Verfahren zur besseren Sichtbarmachung der Lautsprache.

  Lautsprachunterstützende Gebärden
ähnlich wie lautsprachbegleitende Gebärden. Es werden nur einzelne bedeutungstragende Wörter gebärdet, nicht ganze Sätze. Lautsprachunterstützendes Gebärden wird z.B. bei Makaton und GuK verwandt. Der Terminus entspricht im Englischen der Begriff „key word signing".

  lineares Scanning
siehe einfaches Scanning

  linguistische Kompetenz
Kenntnis der Wörter und ihrer Kombinationsregeln (innere Sprachfähigkeit). Linguistische Kompetenz bezeichnet einen internen Zustand der Person, z.B. kann ein Mensch, der nicht sprechen kann, dennoch linguistisch kompetent sein.

  Löb-Symbole
Symbolsammlung mit 60 Alltagssymbolen. Die Sammlung wurde von R. Löb entwickelt, zu jedem Symbol schlägt er auch eine Gebärde vor. Verbreitet in Einrichtungen für Menschen mit einer geistigen Behinderung.

  Logogramm
Schriftzeichen, das ein lautsprachliches Wort repräsentiert. Piktogramm, Ideogramm

  Lormen
Fingeralphabet für taub-blinde Menschen. Hierbei werden auf der Hand des Menschen verschiedene Stellen (z.B. die Fingerkuppen) Buchstaben zugeordnet. Durch Berühren der entsprechenden Stellen auf der Hand wird der Buchstabe bezeichnet.

  LowTech
Im Kontext der Unterstützten Kommunikation verwendet für einfache Geräte. Diese kommen sowohl als überwiegend benutze Kommunikationshilfen zum Einsatz als auch für die Kommunikationsanbahnung, zur Ergänzung oder als Notfall-Ersatz für komplexe Kommunikationshilfen oder bei vorübergehenden Beeinträchtigungen.

  M

  Makaton
Das Makaton-Programm wurde für Kinder mit geistiger Behinderung entwickelt. Es besteht aus einem in verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteiltem Grundvokabular, das durch Gebärden sowie korrespondierende grafische Symbole repräsentiert wird, und aus bestimmten Regeln für den Gebrauch und die Vermittlung des Vokabulars. Die Gebärden werden aus der jeweiligen nationalen Gebärdensprache ausgewählt, es gibt also ein englisches Makaton, ein australisches Makaton, ein deutsches Makaton etc.. Makaton ist ein geschützter Begriff, man darf das Programm nur nach entsprechender Autorisierung anwenden bzw. lehren.

  Manualsystem
künstlich geschaffenes Handzeichensystem, um Laut- oder Schriftsprache auf Laut- bzw. Buchstabenebene zu visualisieren. Ein bekanntes Manualsystem ist das PMS (Phonembestimmtes Manualsystem). Manualsysteme werden eingesetzt zur Visualisierung der Lautsprache im Unterricht gehörloser Menschen sowie als Hilfe für Menschen mit Sprechschwierigkeiten oder mit Problemen im Schriftspracherwerb.

  manuelles Scanning
anderes Wort für gerichtetes Scanning

  Metacom
Symbolsammlung mit etwa 850 visuell klar strukturierten Bildsymbolen für Bildkarten, Kommunikationstafeln und Deckblätter von Sprachausgabegeräten.

  Metakommunikation
ist Kommunikation über Kommunikation, z.B. darüber, wie die gesendeten Mitteilungen gemeint und die empfangenen Mitteilungen interpretiert werden.

  Minspeak
Minspeak ist eine spezielle Art der semantischen Kodierung durch die systematische Verwendung der sog. sekundären Ikonizität von Bildern. Minspeak wird auf bestimmten elektronischen Kommunikationshilfen verwendet und ist ein geschützter Begriff. Minspeak kann auf unterschiedlichem Niveau verwendet werden. Deutsche Anwendungsprogramme mit Minspeak sind Quasselkiste und Deutsche Wortstrategie

  Modalität
Sinnesmodalitäten sind z.B. das Sehen, das Hören, das Fühlen, das Riechen. Kommunikationsmodus, multimodale Kommunikation

  multimodale Kommunikation
Gebrauch verschiedener Kommunikationsmodi. Im Kontext von UK ist eine Kommunikation oft dann effektiver, wenn der UK-Nutzer seine unterschiedlichen ihm zur Verfügung stehenden Kommunikationsformen, -strategien und -techniken jeweils auf seinen Kommunikationspartner und die Situation abstimmen kann (z.B. vertrautes Familienmitglied in häuslicher Umgebung oder fremde Person auf der Straße). Ein Spezialfall der multimodalen Kommunikation ist die simultane Kommunikation.

  Mutismus
Unfähigkeit, in bestimmten sozialen Situationen und/oder mit bestimmten Personen zu sprechen. Dabei sind Sprachverständnis und Sprechvermögen nicht eingeschränkt.

  N

  nichtelektronische Kommunikationshilfen
siehe Kommunikationshilfe

  nichtsprechend
früher häufig gebrauchter Begriff, wurde aber von vielen unterstützt Kommunizierenden als äußerst diffamierend angesehen und wird somit heute nicht mehr verwendet. Statt dessen hat sich für diesen Personenkreis der Begriff „unterstützt kommunizierend" eingebürgert.

  nonverbal
Nonverbale Kommunikation ist nichtsprachliche Kommunikation. In der Linguistik gilt die Kommunikation mit Lautsprache, Schriftsprache und Gebärdensprache als verbale Kommunikation, die Kommunikation mit Körpersprache, Gesten, Mimik etc. als nonverbale Kommunikation. Abweichend davon und damit auf eine Verankerung in einem theoretischen Bezugssystem verzichtend wird im Rahmen Unterstützter Kommunikation der Terminus auch als Synonym für „nichtlautsprachlich" gebraucht. In dieser Lesart wäre dann Gebärdenkommunikation oder die Kommunikation durch Zeigen auf Bildsymbole nonverbal. Das Adjektiv „nonverbal" wird von manchen Autoren auch auf Personen bezogen, wobei in dieser Gebrauchsweise eine nonverbale Person entweder jemand ist, der über keinerlei Sprache verfügt (also weder Lautsprache noch Gebärdensprache beherrscht, auch nicht passiv) oder der nicht über Lautsprache verfügt (auch nicht passiv) oder der nur passiv über Lautsprache oder Gebärdensprache verfügt.

  O

  Objektkästen
enthalten Objekte oder Teile von Objekten (z.B. Windel, Ball aus Bällchenbad, Bändel vom Turnschuh). Sie werden genutzt für Bezugsobjekte, z.B. im Rahmen von Ablaufplänen können jedoch auch analog einer Kommunikationstafel benutzt werden.

  Objektpermanenz
ist ein grundlegender Entwicklungsschritt, den Kinder im Alter von 8-9 Monaten erreichen. Sie haben dann gelernt, dass Gegenstände auch dann noch weiter existieren, wenn sie aus dem Blickfeld verschwunden sind, suchen z.B. nach versteckten (vorher sichtbaren) Gegenständen. Objektpermanenz gilt als eine der Voraussetzungen zum Erwerb der Symbolfunktion.

  Objektsymbole
sind dreidimensionale Objekte, denen eine bestimmte Bedeutung zugewiesen wird, so dass sie als externe Symbole genutzt werden können, z.B. ähnliche Objekte, Miniaturobjekte, auch beliebige Objekte wie z.B. ein grüner Klotz für „Pause". Objektsymbole lassen sich aufgrund unterschiedlicher Umrisse und verschiedener Oberflächenbeschaffenheit nicht nur visuell sondern auch mit dem Tastsinn unterscheiden und werden daher insbesondere bei Menschen mit Sehbehinderung oder mit starker kognitiver Beeinträchtigung eingesetzt.

  opak
siehe Opazität

  Opazität
Der Begriff „Opazität" stammt (wie Transparenz und Transluzenz) aus der Optik und bedeutet „undurchsichtig". Ein Symbol ist für jemanden opak, wenn er mit seinen Vorerfahrungen nicht erraten kann, was es bedeuten soll. Will er es häufiger benutzen, muss er es auswendig lernen.

  operationale Kompetenz
Beherrschung von Kommunikationstechniken

  orales Dogma
abwertende Bezeichnung für Oralismus

  Oralismus
ist die in der Gehörlosenpädagogik (vor allem früher und vor allem in Deutschland) verbreitete Auffassung, dass nur die Lautsprache differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten erlaubt, so dass die Nutzung anderer Systeme (z.B. Gebärden) ungünstig sei.

  p

  Partizipation
Teilnahme an Aktivitäten in der Gemeinschaft aber auch in der Gesellschaft. Partizipation bedeutet auch Mitbestimmung.

  Partizipationsbarrieren
verhindern, dass jemand an einer Aktivität oder in einer Gruppe aktiv teilnehmen und mitbestimmen kann. Dabei gibt es Barrieren, die von der betroffenen Person ausgehen, wenn diese z.B. aufgrund einer Körperbehinderung nicht am Fußballspiel teilnehmen kann. Andere Barrieren gehen von der Umwelt aus, z.B. negative Einstellungen der Bezugspersonen, Unwissen der Umwelt über Kommunikationsmöglichkeiten, politische Hindernisse (fehlende gesetzliche Grundlage für Integration).

  Partizipationsmodell
Diagnostik und Interventionsplanung nach dem Partizipationsmodell (entwickelt von Beukelman u. Mirenda) besteht darin, die Partizipationsmuster vergleichbarer nichtbehinderter Personen mit denen der kommunikationsbeeinträchtigten Person zu vergleichen und diese Informationen für Entscheidungen bezüglich der Intervention bzw. weiterer diagnostischer Abklärung zu nutzen. Das Partizipationsmodell beinhaltet vier Bereiche: Identifi zierung von Partizipationsmustern und Kommunikationsbedürfnissen; Identifi zierung von Partizipationsbarrieren; Planung und Implementierung der Intervention; Evaluation der Wirksamkeit der Intervention.

  Partnerscanning
Scanning-Verfahren, bei dem eine Person die Funktion des Scanning-Indikators übernimmt, z.B. nacheinander alle Buchstaben des Alphabetsäußert, eine Wortliste vorliest oder mit den Fingern nacheinander auf die Felder einer Kommunikationstafel zeigt. Der unterstützt kommunizierende Partner reagiert mit einem vorher vereinbarten Signal, wenn das von ihm Gewählte gesagt oder gezeigt wird.

  PCS-Symbole
Abkürzung für Picture Communication Symbols, eine verbreitete umfangreiche Symbolsammlung mit 4500 Symbolen und Ergänzungsausgaben mit noch mal 4600 Symbolen, fast nur aus Piktogrammen bestehend. Boardmaker

  PECS
Abkürzung für Picture Exchange Communication System. Kommunikationsanbahnungsmethode für schwerer behinderte, insbesondere autistische Menschen, die nicht zeigen können und/oder kaum spontan kommunizieren. Der Anwender ergreift Bildsymbolkarten und gibt sie dem Kommunikationspartner.

  PIC
eine Symbolsammlung. PIC-Symbole sind weiß auf schwarzem Untergrund.

  Picsyms
eine Symbolsammlung.

  Piktogramm
Schriftzeichen, das durch eine vom Betrachter als bildhaft empfunden Darstellung eines Konzepts dieses symbolisieren soll. Werden auch häufig an Bahnhöfen, Flughäfen, öffentlichen Plätzen etc. verwendet. Ideogramm, Logogramm

  PMS
Abkürzung für Phonembestimmtes Manualsystem. Beim PMS werden die Laute durch Fingerbewegungen dargestellt.

  Positionierung
Im Kontext Unterstützter Kommunikation bezieht sich der Begriff auf Hilfsmittelversorgung und Lagerungstechniken mit dem Ziel, die Körperhaltung so zu stabilisieren und eine Ansteuerungshilfe oder eine Kommunikationshilfe so zu anzubringen, dass die bestmögliche Ansteuerung der Kommunikationshilfe möglich wird.

  Pragmatik
Regeln des Sprachgebrauchs: Wannsetze ich bei wem welche Äußerung zu welchem Zweck ein?

  pragmatische Kompetenz
Fähigkeit, angemessen zu kommunizieren, d.h. u.a. Gespräche einzuleiten, aufrecht zu erhalten und zu beenden sowie die Äußerungen auf den Wissensstand und die Motivationslage der angesprochenen Person abzustimmen.

  präintentionale Kommunikation
zeichnet sich dadurch aus, dass die Bezugspersonen das Verhalten der betreffenden Personen interpretieren und diese Interpretation kommunikativ umsetzen bzw. entsprechend reagieren. Das Verhalten der präintentional kommunizierenden Person wird ohne kommunikative Absicht geäußert.

  preset Scanning
Der Scanning-Indikator bewegt sich in vorhersehbarer Weise in einem bestimmten Scanning-Muster, z.B. linear, Gruppe-Item

  Privatgebärden
siehe idiosynkratische Symbole

  Prompt
heißt auf Deutsch „Aufforderung" oder „Hilfestellung". Prompts sind im Kontext Unterstützter Kommunikation
1. bewusst gesetzte Cues. Beispiele: Vorsagen von (Teil-)Lösungen (verbale Prompts); Abbildung des erwünschten Ergebnisses (visuelle prompts); Führen eines Körperteils oder Anstupsen in die gewünschte Richtung (motorische prompts).
2. Ansagen bei elektronischen Hilfen prosodische Merkmale sind: Tonhöhe und Melodie des Sprechens; Lautstärke; Schwankungen im Sprechtempo. Diese Merkmale sind für die Interpretation der Bedeutung einerÄußerung durch den Hörer wichtig, können jedoch mit externen Kommunikationsformen oft nur unzureichend verwirklicht werden.

  Q

  Quasselkiste
Minspeak-Anwenderprogramm auf elektronischen Kommunikationshilfen, eingeschränkte Grammatik im Gegensatz zur Deutschen Wortstrategie

  R

  Randvokabular
Übersetzung des englischen Ausdrucks „fringe vocabulary". Vokabular, das nur für eine bestimmte Person und/oder nur in wenigen/bestimmten Situationen wichtig ist. Kernvokabular

  Rebus
1. Ein Rebus ist eine graphische Abbildung, die für ein Wort oder eine Silbe steht und dieses aufgrund phonologischer Ähnlichkeit repräsentiert, so dass damit auf lautsprachliche Wörter verwiesen werden kann. Beispielsweise würde ein Bild von einem Reh und ein Bild von einem Bus, nacheinander gezeigt, „Rebus" bedeuten; b8n würde als „beachten" gelesen.
2. Rebus-Symbolsammlung ist neben PCS Symbolen auch in der Software „Schreiben mit Symbolen" enthalten

  recall memory
bezieht sich auf das Wiedererkennen von angeeigneten Lern- oder Bewusstseinsinhalten. reproduction memory

  Repräsentationsform
neutraler Begriff für die verschiedenen Zeichen (Objekte, Zeichnungen, Fotos, Gesten, etc.), die in der Unterstützten Kommunikation als Signal oder als Symbol fungieren.

  reproduction memory
Bezeichnung für die aktive Wiedergabe von Lern- oder Bewusstseinsinhalten, die zuvor angeeignet worden sind. recall memory

  Rett-Syndrom
tiefgreifende Entwicklungsstörung. Die Betroffenen (fast ausschließlich Mädchen) verlieren im zweiten Lebensjahr einen Großteil der bereits erworbenen sozialen und kommunikativen Fertigkeiten und sind dann zeitlebens auf Kommunikationsunterstützung angewiesen.

  rezeptiv
bezieht sich auf das Verstehen von Sprache. expressiv

  S

  SAGE
Abkürzung für SprachAusgabeGEräte, angelehnt an den englischen Begriff VOCA (VoiceOutputCommunicationAid). Mit SAGE werden tragbare Sprachausgabegeräte bezeichnet, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurde (im Gegensatz zum Notebook). Umgangssprachlich wird häufig die Bezeichnung „Talker" verwendet.

  Scanning
Im Kontext Unterstützter Kommunikation eine indirekte Selektionstechnik, bei der dem Benutzer nacheinander Wahlmöglichkeiten angeboten werden, auf die er mit einem vorher vereinbarten Signal reagiert. „To scan" heißt auf Deutsch „abtasten" (Der Scanning-Indikator tastet die Felder der Kommunikationshilfe ab.), dieser Begriff ist aber nicht gebräuchlich. Scanningverfahren können eingeteilt werden (a) nach dem Muster der Bewegung des Zeigers: Wandert dieser einfach von Feld zu Feld, spricht man von einfachem Scanning; wird jedoch zusätzlich ein Kodierungselement eingeführt, indem z.B. erst die Zeilen abgetastet werden und dann innerhalb der Zeilen die einzelnen Elemente abgetastet werden oder indem nacheinander verschiedene Blöcke abgetastet werden und dann im nächsten Schritt innherhalb des Blocks gesucht wird, spricht man von kombiniertem Scanning. (b) nach dem Modus der Weiterbewegung des Scanning-Indikators: Bewegt sich dieser von selbst und wird vom Anwender lediglich gestoppt, handelt es sich um automatisches Scanning. Steuert der Anwender jedoch auch die Bewegung des Scanning-Indikators (im einfachsten Fall zwei Tasten, eine für „weiter" und eine für „wähle dieses Item aus", dann nennt man das Verfahren gerichtetes Scanning (c) nach der Modalität des Scanning-Indikators: Wenn die Items gesprochen werden, handelt es sich um auditives Scanning (d) nach der Unabhängigkeit der Ansteuerung: Wenn der Anwender ohne fremde Hilfe den Scanvorgang durchführt, spricht man von unabhängigem Scanning; Gibt es hingegen einen Kommunikationshelfer,der das Signal des Anwenders wahrnimmt und stellvertretend für den Anwender entsprechend die Auswahlen tätigt, spricht man von Partnerscanning. Die Bezeichnungen für die verschiedenen Einteilungen der Scanning-Verfahren werden in der Literatur nichtganz einheitlich verwendet und es gibt für einzelne Verfahren mehrere Synonyme. vgl. direkte Selektion, Selektion

  Scanning-Indikator
ist der Zeiger, der beim Scanning anzeigt, welches Feld gerade gewählt werden kann, z.B. ein Lichtpunkt, der sich über die Felder eines Sprachausgabegeräts bewegt.

  Scanning-Modus
bezeichnet die Art, in der die Scanning-Hilfe vom Benutzer bedient wird, man unterscheidet automatisches Scanning, inverses Scanning, gerichtetes Scanning

  Scanning-Muster
bezeichnet die Art der Bewegung, mit der sich der Scanning-Indikator über die Felder der Kommunikationshilfe bewegt. Im einfachsten Fall bewegt er sich von Feld zu Feld (einfaches Scanning); beim kombinierten Scanning werden zuerst einzelne Gruppen von Feldern und innerhalb dieser Gruppen dann die Einzelfelder angezeigt.

  Schreiben mit Symbolen (Writing with symbols)
Name für eine Software, mit der Menschen ohne Lesekenntnisse Texte in einer Art Bilderschrift schreiben können. Die erweiterbare Symbolsammlung umfasst etwa 8000 Bilder, vor allem PCS-Symbole und Rebus-Symbole.

  Selektion
Die Auswahl eines Elements aus einem Repertoire, meist verwendet in Bezug auf die Auswahl eines Feldes einer Kommunikationstafel resp. eines Feldes des Displays eines Kommunikationsgeräts. Selektion erfolgt durch Körperbewegungen verschiedenster Art, z.B. durch Druck auf eine Taste, Berührung eines Sensors, Zeigen auf ein Feld einer  Kommunikationstafel, Geben einer Symbolkarte. Selektion  kann körpereigen oder hilfsmittelunterstützt (z.B. mit einem Kopfstab) erfolgen. Weiterhin kann Selektion als direkte Selektion oder als indirekte Selektion erfolgen.

  Selektionshilfe
Hilfsmittel zur Ansteuerung einer Kommunikationshilfe oder eines Computers, z.B. Kopfzeiger, Taster für Scanning.

  Selektionstechniken
Technik, mit der ein Symbol angesteuert wird. Man unterscheidet körpereigene Selektion von hilfsmittelunterstützter Selektion, sowie direkte Selektion von indirekter Selektion. Selektion

  Semantische Kodierung
Kodierung durch Symbole, die der Anwender bzw. die Anwenderin mit bestimmten Bedeutungen assoziiert, so dass die Zuordnung einer Symbolsequenz zu den zu kodierenden sprachlichen Äußerungen leichter gelernt bzw. erinnert werden kann als eine willkürliche Zuordnung. Beispielsweise können Bliss-Symbole so benutzt werden, dass die jeweils intendierte sprachliche Äußerung durch eine Kombination von Einzelsymbolen angezeigt wird. Ein bekanntes Beispiel für semantische Kodierung ist Minspeak.

  Sequenzanzeige
Strategie zur Erhöhung der Kommunikationsgeschwindigkeit und zur Herabsetzung der Fehlerrate bei Kommunikationsgeräten, auf denen Äußerungen durch Auslösen von Tastenfolgen produziert werden; nach Auslösen einer Taste werden die möglichen Folgetasten markiert (z.B. durch Lichtpunkte).

  Sequenzen
Wenn bei Sprachausgabegeräten die Äußerungen so kodiert sind, dass jeweils Kombinationen von Feldern für eine Äußerung angegeben werden müssen, nennt man die jeweiligen Feldkombinationen Sequenzen. Geräte geben nach Eingabe des ersten Feldes oft Hilfen für die möglichen Folgefelder durch Lichtpunkte o.Ä. (Sequenzanzeige). Ein Spezialfall der Kodierung in Sequenzen ist die Kodierung in Ebenen. Siehe auch Ebenen

   Signalobjekt
Wenn ein Bezugsobjekt in Ablaufplänen eingesetzt wird bzw. benutzt wird, um eine Orientierung darüber zu geben, welches Ereignis folgt, fungiert es als Signal für dieses Ereignis. Der Begriff Signalobjekt zeigt diese spezielle Funktion an.

  simultane Kommunikation
Spezialfall der multimodalen Kommunikation. Begleitend zur Lautsprache werden gleichzeitig korrespondierende Gebärden oder korrespondierende externe Symbole eingesetzt. Beispiel: lautsprachbegleitende Gebärden

  Sprachausgabegeräte
Sprachausgabegeräte sind elektronische Kommunikationshilfen mit Sprachausgabe. Synonyme: elektronische Sprechhilfen, Sprechcomputer, Sprechhilfen. digitalisierte Sprache, synthetische Sprache, SAGE, Talker

  Sprachentwicklungsstörung
Sprachentwicklungsstörungen (SES) betreffen Kinder mit einem verspäteten oder verlangsamt einsetzenden Spracherwerb, die im Vergleich zu ihrer Altersnorm in den Modalitäten Sprachverständnis und Sprachproduktion einen Entwicklungsrückstand auf den verschiedenen Ebenen der linguistischen Kompetenz (Aussprache, Semantik, Wortschatz, Grammatik) zeigen. Sprachentwicklungstörungen treten entweder im Rahmen primärer Störungsbilder auf oder bei Kindern, die in anderen Entwicklungsbereichen unauffällig sind. Im letzteren Fall spricht man von Spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (SSES).

  Sprachkompetenz
1) Sprachwissen, Summe aller gespeicherten Sprachfertigkeiten (Vokabular, grammatikalische Regeln usw.), rezeptives Sprachvermögen.
2) analog kommunikativer Kompetenz, die Beherrschung des im sozialen Umfeld angemessenen Sprachgebrauchs.

  Sprechapraxie
schwerste Form der Sprechdyspraxie. Sprechapraxien sind zentral bedingte Sprechstörungen, die im Gegensatz zur Entwicklungsdyspraxie nach abgeschlossener Sprachentwicklung auftreten. Die Sprachapraxie tritt meistens in Verbindung mit Aphasien und Dysarthrien auf.

  Sprechdyspraxie
ist die Beeinträchtigung, für einegeplante Äußerung die Artikulationsorgane willkürlich und kontrolliert einzusetzen, ohne dass eine Lähmung der der Sprechmuskulatur vorliegt.

  Sprechen
1. im engeren Sinn: Produktion von Lautsprache
2. im weiteren Sinn: Produktion von Sprache, unabhängig von der Modalität Von vielen UK-Nutzern wird der Begriff „nichtsprechend" als diffamierend empfunden, so dass sich für diesen Personenkreis der Begriff „unterstützt kommunizierend" eingebürgert hat.

  stabile Symbole
anderer Ausdruck für statische Symbole. Gegenteil: flüchtige Symbole

  statische Symbole
1. im deutschen Sprachraum: Synonym für externe Symbole
2. im amerikanischen Sprachraum Symbole, deren Bedeutung nicht von einer Bewegung abhängt, so dass sie nicht nur vorübergehend sondern länger andauernd wahrgenommen werden können. Z.B. gelten dort Videosequenzen auf Kommunikationsgeräten nicht als statische Symbole, hingegen unbewegt dargebotene Gebärden als statische Symbole. dynamische Symbole

  strategische Kompetenz
Beherrschung von Kommunikationsstrategien, d.h. pragmatischen Gesprächsfertigkeiten, z.B. Missverständnisse zu bemerken und zu klären, sich in der Form der Äußerung auf die KommunikationspartnerInnen einzustellen.

  Stufen-Scanning
anderes Wort für gerichtetes Scanning

  StützerIn
KommunikationshelferIn in der Gestützten Kommunikation

  Symbol
Im Kontext von UK wird der Terminus „Symbol" in der Regel sehr weit gefasst, weiter als in der Semiotik oder bei Piaget. Es gibt zwei verschiedene Gebrauchsweisen des Wortes:
1. Ein Symbol als etwas sinnlich Wahrnehmbares, das für etwas anderes steht, etwas anderes repräsentiert. Beispiele hierfür sind Bilder, Fotos, grafische Symbole, Gebärden, Gesten, geschriebene Wörter, Laute, Brailleschrift.
2. In einer anderen Bedeutung wird der Terminus gebraucht, wenn kontrastierend unterschieden wird zwischen Symbol und Signal. Man spricht dann von einem Symbol, wenn ein Zeichen nicht nur auf etwas anderes verweist (Signal), sondern darüber hinaus unabhängig vom Kontext verstanden und gebraucht wird. Zeichen

  Symbolfunktion
Begriff aus der Piagetschen Entwicklungspsychologie, der nicht mit dem Gebrauch des Begriffs „Symbol" in der Unterstützten Kommunikation verwechselt werden darf. Der Erwerb der Symbolfunktion bezieht sich auf die Entwicklung der Sprache, der Nachahmung und des Symbolspiels.

  Symbolsammlung
Zusammenstellung grafi scher Symbole, die eine festgelegte Anzahl Symbole aufweist, kaum oder keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten bietet und keine eindeutigen Anwendungsregeln hat (im Unterschied zum Symbolsystem). Beispiele: PCS, Touch'n Talk, Aladins Bildersammlung, Löb-Symbole, Metacom. engl.: symbol set

  Symbolsystem
Zusammenstellung von Symbolen, die nach bestimmten Regeln aus einer begrenzten Anzahl von Grundelementen gebildet werden (im Unterschied zur Symbolsammlung). Beispiele: Lautsprache, Gebärdensprache, alphabetische Schrift, Bliss. engl.: symbol system

  synthetische Sprache
künstliche Lautsprache , die von elektronischen Geräten mit Sprachausgabe (Computer, spezielle elektronische Kommunikationshilfen) produziert wird (umgangssprachlich: Computerstimme). Sie ermöglicht es, eine Äußerung abzurufen, die dann vom Gerät gesprochenwird, ohne dass diese Äußerung vorher über ein Mikrofon aufgenommen werden muss. digitalisierte Sprache

  T

  taktile Gebärden
Gebärden, die durch Spüren des Kommunikationspartners ertastet werden können. Beim taktilen Gebärden erfühlt der Kommunikationspartner mit seiner Hand / seinen Händen die Gebärden, die der andere ausführt. Taktile Gebärden werden vorwiegend bei sehbehinderten und taubblinden Menschen eingesetzt.

  Talker
umgangssprachlich für Sprachausgabegeräte.

  Tastsymbole
Symbole, die durch Tasten erkannt werden sollen und sich daher in Form und Oberfl ächenstruktur unterscheiden. Sie werden oft, aber nicht nur, bei sehbehinderten Menschen eingesetzt. vgl. Objektsymbole

  TEACCH
Methodenübergreifender pädagogischtherapeutischer Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus, der jedoch zunehmend auch bei anderen Personengruppen zum Einsatz kommt. U.a. werden vielfältige Verfahren zur Strukturierung und Visualisierung verwandt, sowohl zur Unterstützung des Sprach- und Situationsverständnis als auch zur Unterstützung des Ausdrucksvermögens.

  Thementafel
Eine Kommunikationstafel, bei der das Vokabular speziell für eine Situation erstellt wird (z.B. Restaurantbesuch; Gesellschaftsspiel; beim Baden) und in dieser Situation benutzt wird. Dadurch wird sichergestellt, dass genügend spezifi sches Vokabular in der jeweiligen Situation ohne langwieriges Suchen (Umblättern) vorhanden ist. Allerdings kann die Tafel nicht in vielen Situationen universell eingesetzt werden. Synonym: Situationstafel. Kernvokabular, Randvokabular

  touch'n talk
eine Symbolsammlung

  Transluzenz
Wiedererkennbarkeit. Teilaspekt der Ikonizität, der sich auf den Grad der Erkennbarkeit eines Symbols bei vorangegangener Instruktion bezieht. Ein Symbol ist für eine Person um so transluzenter, je leichter sie es wiedererkennen kann, nachdem ihr das Symbol einmal erklärt worden ist.

  Transparenz
Teilaspekt der Ikonizität, der sich auf den Grad der Erkennbarkeit eines Symbols bezieht. Ein Symbol ist für eine Person umso transparenter, je leichter sie seine Bedeutung erraten kann.

  Triangulation
Triangulation (aus dem Lateinischen, triangulum bedeutet Dreieck), auch Triangulierung genannt, bezeichnet im Kontext Unterstützter Kommunikation die gleichzeitige Beachtung von Partner und Thema (anfangs ist das Thema ein Objekt). joint attention

  turn taking
Rollenwechsel während der Interaktion. Im Gespräch: Wechsel zwischen der Rolle des Sprechers und des Zuhörers. Gesprächsschritt

  U

  Unterstützte Kommunikation
1. Oberbegriff für lautsprachergänzende oder ersetzende Kommunikationsformen von Menschen, die nicht, kaum oder nicht in jeder Situation über Lautsprache verfügen (...kommunizieren unterstützt...).
2. Oberbegriff für pädagogische und therapeutische Maßnahmen zur Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen, die nicht, kaum oder nicht in jeder Situation über Lautsprache verfügen.
3. Interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit Unterstützter Kommunikation befasst. In Deutschland und Nordamerika schwerpunktmäßig der Sonderpädagogik zugeordnet, in den Niederlanden und Großbritannien eher der Linguistik und in den skandinavischen Ländern der Psychologie und Erziehungswissenschaft.

  Unterstützungssprachgruppe
augmentative Sprachgruppe

  V

  verbal
umgangssprachlich: mit Worten, mündlich. In der Linguistik gilt die Kommunikation mit Lautsprache, Schriftsprache und Gebärdenspracheals verbale Kommunikation, die Kommunikation mit Körpersprache, Mimik, Lauten etc. als nonverbale Kommunikation. Abweichend davon und damit auf eine Verankerung in einem theoretischen Bezugssystem verzichtend wird im Rahmen Unterstützter Kommunikation der Terminus auch als Synonym für „lautsprachlich" gebraucht. siehe nonverbal, vgl. vokal

  Verbale Entwicklungsdyspraxie
auch: kindliche Sprechapraxie, Dyspraxie. Relativ seltene expressiv Sprach- und Sprechstörung bei Kindern, d. h. das Sprachverständnis ist nicht betroffen, sondern nur die Sprachproduktion. Wie bei der Sprechapraxie der Erwachsenen liegt eine zentrale Störung der Planung und Programmierung von Sprechbewegungen vor, die das gesamte sich entfaltende Sprachsystem des Kindes (bspw. Wortschatzaufbau und Grammatikerwerb) beeinträchtigt.

  Vokabular
siehe individuelles Vokabular

  vokal
lautlich, stimmlich. Vokale Äußerungen können verbal sein (Lautsprache) oder nonverbal (Weinen, Lachen etc.). Gegenteil: nonvokal, nichtvokal

Vorhersagescanning
anderes Wort für auditives Scanning

  W

  Wortvorhersage
Strategie zur Erhöhung der Kommunikationsgeschwindigkeit und zur Herabsetzungder Fehlerrate bei schriftsprachlicher Kommunikation mit Kommunikationshilfen. Sobald ein Buchstabe bzw. eine Buchstabensequenz selektiert wird, werden passende Ergänzungen mit hoher Auftretenswahrscheinlichkeit vom Gerät (oder vom Partner) angezeigt und können vom Benutzer ausgewählt werden.

  Writing with Symbols
Schreiben mit Symbolen

  Z

  Zeichen
Der Begriff wird in der Unterstützten Kommunikation als neutraler Oberbegriff für Repräsentationen nicht anwesender Objekte gebraucht, beispielsweise wenn man den möglicherweise missverständlichen Begriff Symbol vermeiden möchte. Der Gebrauch des Begriffs in der Unterstützten Kommunikation ist nicht gleich zu setzen mit der fachspezifischen Bedeutung des Begriffs in der Semiotik oder in der Piagetschen Entwicklungspsychologie.

  Zeigehilfen
Selektionshilfen zum Ansteuern einer Kommunikationshilfe. Während die Selektionshilfen für elektronische Kommunikationshilfen meist Eingabehilfen genannt werden, bezieht sich der Begriff Zeigehilfen eher auf nichtelektronische Hilfen bzw. lowtech-Hilfen.

  Zeilen/Spalten-Scanning
ein häufiger Fall des Gruppe-Item-Scannings, wobei im ersten Durchgang die Zeilen die Blöcke sind und im zweiten Durchgang dann innerhalb der angewählten Zeile das anzuwählende Element gesucht wird.

  zirkuläres Scanning
Scanning-Muster, in dem sich der Indikator kreisförmig (wie der Zeiger einer Uhr) über die Felder bewegt. Zirkuläres Scanning ist ein Spezialfall des linearen Scannings.



Die aktualisierte Fassung des Lexikons der Fachbegriffe wurde erstellt von Allmuth Bober und Dr. Susanne Wachsmuth.

Quelle: Handbuch der Unterstützten Kommunikation Grundwerk, 4. Aufl., Stand: November 2010, Seiten L.015.001 ff

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Gemenhmigung des von-Loeper-Literaturverlages.